Der        Georg-Elser-Preis

und seine Entwicklung

                                                     von                                 Hella Schlumberger

 

                                                    

                                               „ Heiß begehrt und hart umkämpft „

 

 2000 :   Nach dem Besuch einer Geschwister-Scholl-Preisverleihung kam Hella  Schlumberger die Idee, einen Georg-Elser-Preis ins Leben zu rufen, um damit weitere Gesellschaftsschichten für den Bürgerbräuattentäter zu interessieren.  Mit Freunden wurde ein Statut ausgearbeitet.

Ein Sponsor erklärte sich bereit, das Preisgeld zu stiften, das  auf 10 000 Mark, später 5 000 Euro festgelegt wurde,  der Georg-Elser-Arbeitskreis in Heidenheim zeigte Interesse an der nächsten Verleihung und so wurde dann das Statut geändert, nachdem abwechselnd immer wieder andere Elser-Initiativen den Preis verleihen könnten ( s. Statut 2 000 ). Der Georg-Elser-Preis als Wanderpreis, das gefiel allgemein und zu der Zeit konnte man  noch mit gegenseitigem Vertrauen und Solidarität untereinander rechnen: der Georg-Elser-Arbeitskreis in Heidenheim,
die Georg-Elser-Initiative in München und die Georg-Elser-Initiative in Bremen, alle mit Kontakten zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin und zur Elser-Gedenkstätte in Königsbronn.

In Bremen war Hella Schlumberger`s Kontaktperson  Bernd Krause, ein Komponist, der ein Musikstück auf Elser geschrieben hatte und mit dem die Zusammenarbeit hervorragend lief. Bis eine böse Krankheit sein Leben beendete.

2001 :    Erste Georg-Elser-Preisverleihung im Kleinen Sitzungssaal des Münchner Neuen Rathauses an Pfarrer Jürgen Quandt wegen seiner Verdienste um das Kirchenasyl. Mit Bürgermeister Monatzeder, Gisela Schneeberger, dem „Roter Wecker/Quergesang“, Günther Gerstenberg, Historiker, Wolfgang Wieland, Justizsenator Berlin, Walther Seinsch von  der „Stiftung Erinnerung“ und Heinz Birg, Architekt/Karikaturist, der das Bild für den Preisträger und die Postkarte für die Preisverleihung gezeichnet hatte.

Professor Peter Steinbach war kurz zuvor erkrankt, hatte aber seine Rede geschickt:

               „Bereit zur Gewalt aus Verantwortung, Johann Georg Elsers Kampf gegen den Terrorismus an der Macht“.

               Konstantin Wecker sang zum Schluß a capella  sein Lied auf die Geschwister

               Scholl: „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“.

               Über das äußerst angespannte Verhältnis Münchens zu Georg Elser sprach Hella

               Schlumberger, die auch  den Abend organisiert hatte.

               ( Elserheft  1  : „Unerschrockenes Handeln gegen die Staatsgewalt“,  2002 )

2003                    Der Georg-Elser-Preis wird in Heidenheim, in einer alten Fabrikhalle der Firma „Erhard Armaturen“, in  der Georg Elser schon gearbeitet hatte, an den Staatsanwalt Winfried Maier verliehen, weil er sich trotz heftigen Gegenwindes in seinen Ermittlungen im Fall Waffenhändler Schreiber, Strauß-Sohn Max, Stichwort „Festplatte“ nicht hatte beirren lassen. Das Programm hatte Manfred Maier gestaltet mit OB Ilg, lokalen Künstlern und der Ex- Justizministerin Däubler-Gmelin als Laudatorin. Auch bereits bei dieser zweiten Preisverleihung war in die Redaktion der „Heidenheimer Neuen Presse“ ein Fax des Inhalts geflattert: der Preisträger sei total unwürdig. ( Das wird es wohl immer geben ).

Was Hella Schlumberger erstaunte: dass sie zwar Vorschläge für Preisträger einreichen durfte, dann  aber nicht zur Jurysitzung geladen war. Und allein „Zivilcourage“, wie es Heidenheim, Bremen und später Berlin zu betonen
pflegten, war ihr zu wenig als Charakteristikum für den Elser-Preis. Da gehörten unbedingt „ziviler Ungehorsam“ und  „Widerstand gegen  die  herrschende Staatsgewalt“ dazu. ( Für „Zivilcourage“ allein gab es schon genügend Preise ).
Hella Schlumberger hatte ihre Kritikpunkte Manfred Maier geschrieben, ihm allein, aber zu  ändern war nichts mehr.
Wie die 1. Preisverleihung haben Münchner Filmer auch die zweite, recht gelungene, aufgezeichnet.

2005        hatte sich die Bremer Initiative für den Preis angemeldet und ein Jahr   zuvor zu einem  Treffen in Steinkimmen bei Bremen und im historischen Bremer Rathaus geladen.

Auf Vorschlag Manfred Maiers wurden mehrheitlich die russischen Soldatenmütter als nächste Preisträgerinnen  auserkoren – an die 1 500 mutige Frauen, die gegen  das brutale Militärsystem und den Tschetschenienkrieg kämpften.
Aber, fand Hella Schlumberger,  1 499 zuviel. Außerdem hatten sie inzwischen eine Partei gegründet und den Elserpreis für eine Partei, das fand sie nicht gut.

Mit der Bremer Mehrheit vor Ort wurde auch am Statut herumgebastelt: da sollten plötzlich in Ausnahmefällen auch „VertreterInnen von Initiativen“ den Preis erhalten können und- die wichtigste Änderung: zur Jury als „ feste Mitglieder“ gehörten auf einmal auch: Ein Vertreter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin ( in der Münchner Jury war auch Peter Steinbach vertreten, aber als Historiker und Einzelperson und eher symbo-
lisch ), Vertreter der Initiativen von Heidenheim, Bremen, München und jetzt auch Berlin. Um den ersten Elser-Preisträger hatte sich nämlich auch eine Initiative gebildet, die freilich nur aus Gemeindemitgliedern der Kreuzkirche, an der er Pfarrer war, bestand.

Hella Schlumberger sah längerfristig die Gefahr, dass wenn alle, die einmal den Preis verliehen hatten oder die ihn gar nur verleihen wollte, in die engere Jury kamen, es uferlos werden würde. Dann könnte eine Mehrheit in der Jury r Projekte vor Ort verändern oder gar verhindern. Für sie lag die Stärke der Initiativen in der lokalen Verankerung und im föderativen Prinzip.

Zumal da das Statut des Elser-Preises auf einmal „einvernehmlich“ von diesen festen Jurymitgliedern geändert werden könne. Sie sprach sich dagegen aus, wurde aber überstimmt. Das gab zwar zu denken, aber sie ging immer noch von einem Geist der Solidarität aus, der weiterhin das Klima der Elser-Initiativen prägen
würde. Etwas anderes konnte – und wollte – sie sich nicht vorstellen.

2005   wird der Georg-Elser-Preis im Bremer Rathaus an  den Verband der Komitees der Soldatenmütter Rußlands verliehen. Es redeten: der frühere Bürgermeister und Schirmherr der Bremer Initiative Koschnik, Bildungssenator Lemke, eine Vertreterin der beiden angereisten Soldatenmütter, Ulrike Hauffe, die Frauenbeauftragte der Stadt. Die Laudatio hielt Sonja Mikich vom  „Monitor“. 

Es war ein feierlicher Akt mit Chor und Klavierbegleitung und einem spannenden Rahmenprogramm. Klar war bereits, dass Berlin 2007 den Elserpreis verleihen würde. Im Jahr zuvor gab es dann wieder ein Treffen in Berlin.

2007       wird der Elser-Preis in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg verliehen. Und zwar an Elias Bierdel, den Nachfolger Ruppert Neudecks als Vorsitzender von  Cap Anamur, der inzwischen aber eine eigene Hilfsorganisation gegründet  hatte und seinen Kapitän Stefan Schmidt, die im Juni 2004  37 afrikanische Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet und dafür in Sizilien wegen Schleppertums angeklagt und inhaftiert worden waren. Das endgültige Urteil stand noch  aus, es drohten bis zu 12 Jahre Haft. Die Berliner Initiative ehrte damit Bierdels Engagement für die Beendigung des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer.

Umrahmt von Bachmusik – wie sie zu jeder evangelischen Kirche gehört – Gedichten und Liedern sprachen: Schirmherr Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident, der Hausherr, Pfarrer Quandt und der Laudator Heribert Prantl von der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Es war eine feierliche Veranstaltung mit anschließendem Sektempfang in der Kreuzkirche.

2009, hieß es, würde Konstanz gern die Preisverleihung übernehmen. Manfred Maier hatte den Kontakt zur dortigen Initiative aufgenommen. Hella Schlumberger fand es gut, wie  sich so selbstverständlich die Elser-Initiativen bei der Verleihung des Preises abzuwechseln schienen. Sie betrachtete den Preis zwar immer noch als ihr Baby, das sie aber gern anderen überließ, damit es laufen lernte, um wieder nachhause zurückzukehren. Sie rechnete mit der nächsten Georg-Elser-Peisverleihung 2011 in München. Da plötzlich, in Frühsommer


2009 ruft die Konstanzer Initiative um Sonja Hotz an: sie sähen sich außerstande, den Preis in diesem Jahr zu verleihen, obwohl die Stadt Konstanz bereits die Preissumme von  5 000  Euro bereitgestellt hatte. Konstanz hatte zuvor Heidenheim gefragt, ob sie vielleicht einspringen könnten. Sie verneinen. Also beschloss Hella Schlumberger, zu den drei bereits geplanten Veranstaltungen  ( Talkshow, Elserfilme, Gastspiel Lindenhoftheater ) zum 70. Jahrestag des Bürgerbräuattentates die Preisverleihung als vierte und als Höhepunkt dazuzunehmen.

Sie informierte die übrigen Elser-Initiativen: es sei keine Zeit mehr ein Treffen zu  organisieren, aber sie mögen doch ihre Vorschläge in den nächsten Wochen schicken. Außer dem Heidenheimer Vorschlag, Daniel Barenboim zu küren (dem es an Preisen gewiß nicht mangelte ) kam vonseiten Bremens und Berlins – nichts. Kein  Zuspruch, kein Vorschlag, keine Kritik, nur einfach nichts. Auch nicht der Wunsch, zur Jurysitzung zu kommen.

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Entscheidungen:
Eine Jury wurde zusammengestellt, eine weibliche, mit allerdings einem befreundeten Anwalt dabei und über die Vorschläge Barenbo im und Beate Klarsfeld, die Hella Schlumberger schon in Berlin vorgeschlagen  hatte, diskutiert. Die Entscheidung fiel einstimmig für die „Nazijägerin“. Ein Protokoll wurde erstellt und den Elser-Gruppen zugeschickt. Kurz danach begann die erste Hetzkampagne: Preisträgerin unwürdig, Statute verletzt, die sogar soweit ging, Beate Klarsfeld nahezulegen, den Preis abzulehnen.

Dahinter steckten die offensichtlich aber völlig unnötig beleidigten Herren der Initiativen von Bremen und Berlin im Schulterschluß mit einem Herrn der Werbung, der als Diener in Sachen „Elser ins Netz“ angetreten war, sich aber inzwischen als Herrscher über das veröffentlichte Wissen zu Elser aufspielte, ja Zensur ausübte. Sie hätten ja alle Zeit gehabt, sich zu melden, zu telefonieren, zu schreiben, aber nein, ohne  Rücksprache ging man ins Internet und verbreitete seine Tiraden, was Beate Klarsfeld aber nicht besonders beeindruckte :  sie sei glücklich den Preis, ihre erste Auszeichnung in Deutschland entgegenzunehmen und sogar auf das Preisgeld zu verzichten.

 

2009  wurde der so heiß begehrte und hart umkämpfte Preis im Münchner Alten Rathaussaal, in dem Goebbels  1938  zur Pogromnacht aufgerufen hatte, an Beate Klarsfeld verliehen. OB Ude, der eigentlich versprochen hatte, ein Grußwort zu sprechen, lehnte ab, als er hörte, die Preisträgerin sei Beate Klarsfeld, weil, ließ er ausrichten, „eine Ohrfeige für ihn kein Mittel der politischen Auseinandersetzung“ sei.

Dafür redeten Politiker von SPD ( Ex-Bürgermeister Hahnzog ), Grünen ( Sigi Benker ),  CSU  ( Marian Offmann ) und der Linken ( Petra Finsterle,  Club Voltaire ). Barbara Distel, die  frühere Chefin der  KZ-Gedenkstätte Dachau sprach über Elsers letzte Monate im Bunker des KZ,  Serge Klarsfeld, der ein französiches Gedicht auf Elser verfasst hatte,  erzählte von seinem Zusammentreffen mit rechtsradikalen Neonazis im damals noch stehenden Bürgerbräukeller in   München  -  in dem  1939  Georg Elser Hitler und seine Spießgesellen in die  Luft sprengen wollte  -  er wurde als Jude hinausgeprügelt.
Sepp Raith spielte und sang,  „Irmis Leidenschaft“, Michaela Dietl und ihre „Quetschenweiber“ intonierten „Quelle vie est la juste?“  ( „Welches Leben ist das richtige?“ )  und andere aufmüpfige Lieder.

Günter Wallraff, aus Köln angereist, hielt die Laudatio:  „Wir dürfen nicht vergessen“  auf  Beate Klarsfeld, deren Ohrfeige für den damaligen Kanzler Kiesinger  1968  weltweit für Aufsehen gesorgt hatte:  er hatte seine NS-Vergangenheit ausblenden wollen.

„Erst als Sie“, wandte sich Wallraff an die Preisträgerin, „sich des Symbols der Ohrfeige bedienten, gelang es, Ihrem und auch unserem Anliegen weltweit Gehör zu verschaffen“. Er erinnerte an die alten Nazis in höchsten  Ämtern, die unbehelligt nach 1945  im  In- und Ausland lebten, denen die Klarsfelds auf die Spur gekommen waren, um sie der Gerichtsbarkeit zuzuführen.

Er sprach von dem, von Beate Klarsfeld initiierten „Zug der Erinnerung“, der an die Deportationszüge mit jüdischen Männer, Frauen und Kinder aus Frankreich in die KZ`s  erinnern sollte und durch die Fotos in der Ausstellung den Kindern wieder ihr Gesicht und ihr Lächeln zurückgab.
Wallraff dankte ihr und gratulierte.

 

                        Beate Klarsfeld bedankte sich für den Preis und sprach über ihre Motivation:        sie fühle sich als Deutsche zwar nicht schuldig, aber verantwortlich für das im Dritten  Reich Geschehene und wolle deshalb Naziverbrecher verfolgen und sie der Straflosigkeit entziehen. Gerechtigkeit sei ihr Antrieb, nicht Rache. Und wo immer das jüdische Volk verfolgt würde, wolle sie ihm zur Seite stehen.

                        Sie freue sich über die erste Anerkennung aus dem „Land der Täter“, bisher war sie nur in Israel, Frankreich und den USA geehrt worden. In Deutschland wurde schon zweimal der Vorschlag, sie mit dem Bundesverdienstkreuz auszuzeichnen abgelehnt.

                        Beate Klarsfeld nahm die Urkunde und verzichtete auf das Preisgeld.

                        Ein kleiner Empfang im Gang des Alten Rathauses rundete den feierlich-frechen Abend ab.

                        Außer versteckten Hinweisen („weiter wird Elser geehrt“ ) wurde über die Preisverleihung in den Medien nicht weiter berichtet.

                        Auf einem Brief der Elser-Initiative an die Chefredaktionen der Münchner Medien auf  die Frage:  „Warum nicht?“ gab es entweder keine Antwort oder eine trotzige:  „Sind immer noch wir, die entscheiden, was unsere Leser/Hörer/Zuschauer zu hören und zu sehen bekommen. Außerdem haben wir über das Thema „Elser“ schon ausführlich berichtet, wir wissen gar nicht, was Sie haben“.



Im Frühsommer  2010  fuhr die Jury des Elser-Preises nach Konstanz, um über die geplante Elserpreis-Verleihung  2011  zu reden und, wenn nötig, auch ihre Unterstützung anzubieten. Es sah gut aus, die Konstanzer um Sonja Hotz machten sich nur Gedanken, wie sie die  5 000 Euro Preisgeld zusammenbekommen sollten,  nachdem die Stadt das für die Preisverleihung gestellte Geld bereits anderweitig ausgegeben hatte.

Der Kontakt mit Konstanz riß nicht ab, bis – zum zweiten Mal ! – der Anruf kam: „Wir schaffen`s nicht ! Seid uns nicht böse !“  Das war Ende  2010. Wieder nur zehn Monate bis zum 8.11.11. Wieder eine außergewöhnliche, so nicht vorhersehbare Situation. Heidenheim wurde gefragt, Manfred Maier sagte, er würde lieber  2013  ins Auge fassen. Also waren wir wieder dran.

 Den  von uns ins Leben gerufenen Georg-Elser-Preis haben wir inzwischen vom Patentamt schützen lassen. Was die Gegenseite auch  2011  nicht hinderte, den Preisträger als unwürdig, die Preisverleihung als Statutenbruch und sich selbst als „zuständige Gremien“ zu bezeichnen.

                        Dem war nie so. Unwahrheiten werden auch durch Wiederholung nicht wahrer, auch  nicht spannender.

Wer je bei einer unserer Veranstaltungen war, hat gemerkt, wie Elser in München geehrt und bewundert wird und zwar seit über 20 Jahren. Vielleicht wollen die Querulanten ja unserem gutgemeinten Rat folgen und
 ihre  Energie lieber in Aktionen von Ort stecken, statt ungestraft im Internet Ihre Spielchen zu inszenieren, woraus der Leser dann schließt: die Elser-Initiativen sind hoffnungslos zerstritten. Wir streiten nicht, wir haben lange geschwiegen und jetzt stellen  wir richtig.

                        Der Preis war wieder nach München zurückgekehrt und  2011  wären wir sowieso an der Reihe gewesen, ihn zu verleihen. Die Jurysitzung fand am

                        25. März 2011 statt.

                        Wenig später erfuhr die Münchner Initiative, dass ihr Sponsor, der seit 2001 die Preissumme stiftete, krank geworden war und für immer ausfiel.

                        Die Münchner Jury  2011   hatte sich zwischen zwei Vorschlägen zu entscheiden: dem Juristen Udo Sürer aus Lindau, dessen Vater an den SS-Massakern in Norditalien beteiligt war, was der Sohn langezeit nicht wusste und als er es dann erfuhr, sich um Verzeihen und Wiedergutmachung mit den italienischen Hinterbliebenen der Opfer bemühte.

                        Der zweite Kandidat war Dietrich Wagner, den am 30. September 2010 im Stuttgarter Schlosspark ein Wasserwerfer der Polizei fast blind geschossen hatte. Die Presse nannte ihn „Das Gesicht des Widerstandes“ und zwar gegen das unterirdische Stuttgart  21-Bahnhofsprojekt. Sein Foto war um die Welt gegangen.

                        Die Jury entschied sich mehrheitlich für ihn, nicht als Person, sondern als Symbol des bürgerlichen Widerstandes in der Tradition von Whyl und Wackersdorf, wo Bürgerproteste nach Jahren die gefährlichen Atomprojekte verhindert hatten. Gleichauf mit den Protesten in der arabischen Welt und der gerade begonnenen Occupy-Bewegung. Den Raum für die Preisverleihung stellte freundlicherweise die Akademie der Bildenden Künste zur Verfügung, die sich nur fünfzig Meter entfernt von Elsers Zimmer in der Türkenstraße 94 befindet.

 

 

2011                     wurde in der Historischen Aula mit ihren wertvollen Gobelins der Georg-Elser-  Preis an Dietrich Wagner verliehen. Es wurde ein langer, kurzweiliger Abend, neben  dem politischen Ernst sogar mit „einem Hauch von Woodstock“ wie die Süddeutsche Zeitung schrieb.

( s. Kurz- und Langbericht in www.georg-elser-preis.de )


 


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